Bürgewald
Ein verloren geglaubtes Dorf im Schatten des Tagebaus soll ein „Ort der Zukunft” werden.
Morschenich war für den Tagebau Hambach vorgesehen. Ab 2015 siedelten die rund 500 Einwohner in ein neues Dorf wenige Kilometer südlich um — Häuser, Infrastruktur, Gemeindeleben. Was zurückblieb, wartete auf den Abriss.

2021 kam der vorgezogene Kohleausstieg. RWE gab bekannt, dass die Bagger nicht mehr kommen würden. Das Dorf war gerettet, aber leer. Die meisten Bewohner hatten sich längst neu eingerichtet, die Bindungen waren gekappt. Ein Dorf ohne Menschen ist kein Dorf mehr — aber was sonst?
Im September 2024 kaufte die Gemeinde Merzenich den Ort für 37 Millionen Euro zurück, finanziert überwiegend von Land und Bund. Seither heißt er Bürgewald, nach der historischen Bezeichnung des angrenzenden Hambacher Forsts. Dass ausgerechnet dieser Name gewählt wurde, ist keine Zufälligkeit: Der Forst war Schauplatz jahrelanger Proteste gegen den Tagebau, sein Erhalt gilt als Wendepunkt im deutschen Kohlekonflikt. Wie aus dem zurückgekauften Dorf wieder ein bewohnter Ort werden soll, ist Inhalt des Entwicklungsplans, der gerade entsteht. Auf dem Ortsschild jedenfalls heißt es schon jetzt: „Ort der Zukunft”








